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© 2006 - 2010 Hartmut Obermann
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Südfrankreich 2008 Truyère
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Das Frühstück im Hotel Beausèjour ist typisch französisch – ein Croissant, zwei Stücke Baguette dazu etwas Butter und Marmelade sowie eine große Tasse schwarzen Kaffee. Nicht gerade üppig, aber besser als nichts. Und da wir heute wieder in der Masse auf Nebenstrecken unterwegs sein wollen, haben wir keine Lust uns darauf zu verlassen, dass wir irgendwo ein hübsches kleines Cafe finden.
Als wir viertel nach neun aufs Motorrad steigen, zeigt das Thermometer 8° C und der Himmel ist wolkenverhangen, das tut aber unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Wir fahren auf einem winzigen Sträßchen entlang der Truyère Richtung Südwesten, bekommen den Fluss bzw. die Seen, zu denen er aufgestaut ist, allerdings nur selten zu sehen. Auch heute verläuft die Straße meist relativ hoch am Berg und häufig durch dichten Mischwald.
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 kein Waldweg, sondern die D56 entlang der Truyère Blick über die aufgestaute Truyère
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Neben der Strecke gibt es hie und da ein einsames Chateau oder einen kleinen Bauernhof. Und natürlich ein paar kleinere Ortschaften, die aber wie ausgestorben aussehen und unseren Vorwärtsdrang kaum aufhalten. Ganz im Gegensatz zu dem in vielen Rechtskurven zu findenden Rollsplit, der eigentlich zur Ausbesserung des Randstreifens neben die Straße gekippt, von die Kurve schneidenden Autofahrer auf der Fahrbahn verteilt wird. Daher ist auf der schmalen Straße trotz des sehr geringen Verkehrs ein eher gemäßigtes Tempo angesagt.
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 dieser idyllische Bauernhof liegt so einsam, dass selbst der Wachhund sich über Besuch freut!
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 beeindruckende Staumauer - Barrage de Sarrans
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Gegen 11 Uhr, also fast zwei Stunden nach dem Start, haben wir erst knapp 60 Kilometer zurück gelegt und die Barrage de Sarrans erreicht. Die 1934 erbaute Staustufe dient primär der Erzeugung von Elektrizität und staut mit ihren 113 Metern Höhe und 225 Metern Länge den Fluss zu einem See von 35 km Länge, zirka 10000 Hektar Fläche und einem Volumen von fast drei Millionen Kubikmetern. So imposant auch Bauwerk und Landschaft sind, eine allzu lange Pause gönnen wir uns nicht, schließlich haben wir heute noch einige Kilometer vor uns.
Direkt nach der Staumauer führt uns die Straße ziemlich steil in die Höhe und dann, kurz nach der kleinen Ortschaft Orlhaguet, in einigen tollen Spitzkehren wieder hinunter zum Fluss. Kaum über die Brücke auf der anderen Flussseite, geht es, wiederum in eng gewundenen Kurven, wieder hinauf auf den Höhenzug. Hier kann man sich wirklich schwindelig fahren!
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Der Blick über die Gorges de la Truyère erinnert an vielen Stellen an die Mosel und an deutsche Mittelgebirge. Allerdings ist hier erheblich weniger los! Und das sogar dort, wo romantische alte Burgruinen locken, wie z.B. die des Chateau Vallon.
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 der Blick über die Truyère erinnert an die Mosel und Burgen gibt es hier auch - Chateau Vallon
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In dem kleinen Städtchen Entraygues-sur-Truyère suchen wir leider vergeblich nach einer geöffneten Tankstelle. Zwar gibt es eine Automaten-Tankstelle, die bleibt aber, wie häufig in Frankreich, Besitzern französischer Scheckkarten vorbehalten. Wenigstens bekommen wir auf dem Wochenmarkt noch Wurst, Käse und Brot und legen gleich unsere Mittagspause ein. Dabei fällt uns an einem Haus eine Reihe von Hochwassermarkierungen auf, die belegen, dass die Truyère und der Lot, die hier zusammen fließen, bis in die heutige Zeit hinein bleibende Eindrücke hinterlassen haben.
links: sehr beeindruckende Hochwassermarken an einem Haus in Entraygues-sur-Truyère (hier gibt’s noch ein Bild)
Von Entraygues aus folgen wir dem Lot für ein paar Kilometer nach Westen und biegen bei Grand-Vabre in die Gorges du Dourdou ein. Entlang des kleinen Flüsschens gelangen wir nach Conques, einer mittelalterlichen Stadt, deren romanische Klosterkirche Sainte-Foy zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört. Da die Stadt noch dazu auf dem sogenannten Jakobsweg, dem berühmten Pilgerweg nach Santiago de Compostela in Spanien, liegt, ist hier trotz Nachsaison recht viel los. Für uns Grund genug, uns die Stadt nur aus der Ferne anzuschauen und dann auf den Weg Richtung Süden zu machen.
links: Blick auf das mittelalterliche Städtchen Conques
Nach einem kurzen Tankstopp in Marcillac-Vallon steuern wir direkt auf Rodez zu. Nachdem wir stundenlang fast alleine auf der Straße waren, ist der Verkehr vor der Stadt schon fast erschreckend dicht. Deshalb umfahren wir Rodez im Osten und wenden uns dann wieder nach Süden, um zwischen den beiden Stauseen Lac de Pont-de-Salars und Lac de Bage hindurch zum Lac de Pareloup und weiter zum Lac de Villefrance-de-Panat zu fahren.
Da die Strecken hier nicht mehr ganz so schmal und kurvig sind wie die am Vormittag befahrenen, kommen wir recht gut voran und genießen die etwas flottere Gangart.
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 Blick von Süden her über den Lac de Pont-de-Salars die Straße führt mitten durch den Lac de Villefrance-de-Panat
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Ein paar Kilometer nach Villefrance-de-Panat verlassen wir die D44 und biegen links auf die D534 ab, die uns auf nur sechs Kilometer Strecke in das 400 Höhenmeter tiefer gelegene Tal der Tarn bringt. Lincou, die erste Ortschaft auf die wir stoßen, ist so zwischen Berg und Fluss gebaut, dass die “Durchgangsstraße” durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel unter dem Dorf entlang läuft. Dass dieser nur 1,80 Meter breit ist, stört uns eigentlich wenig, aber dass die Ampelanlage ausgeschaltet ist und wir mit Gegenverkehr rechnen müssen, gibt uns schon zu denken.
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 die “Durchgangsstraße” durch die Ortschaft Lincou verläuft in einem ehemaligen Eisenbahntunnel ... mit Gegenverkehr!
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 die mittelalterliche Burg von Brousse Le Château
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Wir folgen der D200 entlang der Tarn ein kurzes Stück Richtung Westen und genießen die Einsamkeit auf dem schmalen Sträßchen. Hier ist wirklich absolut nichts los und das Kurvensurfen macht richtig Spaß! In einer Schleife über La Bastide-Lolanges kehren wir zurück nach Lincou und fahren dann entlang des Südufers der Tarn Richtung Osten.
Ziel ist Brousse Le Château, wo es das sehr hübsche Hotel „Le Relais du Chasteau“ gibt. Aber leider sind wir nicht die einzigen, die diese Auberge für ihre Übernachtung auserkoren haben und alle Zimmer sind schon belegt. Das wäre nicht so schlimm, wenn in dieser Gegend die Unterkünfte nicht recht dünn gesät wären und die Uhr schon viertel nach fünf zeigen würde.
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Also fahren wir recht zügig weiter gen Osten, immer mehr oder weniger dicht an der Tarn entlang. Da auf der Karte Saint Victor und etwas weiter Saint Rome wie etwas größere Ortschaften aussehen, biegen wir kurz hinter Le Truel rechts ab und verlassen den Fluss. Als wir an der winzigen Ortschaft Melvieu vorbeifahren denke ich noch „in dem Kaff brauchen wir unser Glück nicht probieren“. In St. Victor gibt es eine Touristeninformation und wir haben das Glück, dass die sogar noch besetzt ist. Ein freundlicher junger Franzose vermittelt uns, nach kurzer telefonischer Rückfrage, ein Zimmer in einem „Hotel d´Tables“ in Melvieu. Wie wir kurz darauf feststellen, ein absoluter Glücksfall!
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Die paar Kilometer zurück nach Melvieu sind schnell zurück gelegt, aber das „La Charmeraie“ hätten wir trotz der genauen Wegbeschreibung fast nicht gefunden. Obwohl das Haus von der Umgehungsstraße aus zu sehen ist, ist die Zufahrt, trotz Hinweisschild, nur schwer auszumachen. Nachdem wir es endlich gefunden haben, werden wir von der Hausherrin sehr freundlich begrüßt und für 19:30 Uhr zum Abendessen gebeten. Wir haben also noch etwas Zeit, um uns frisch zu machen und ein bisschen im Ort umzusehen. Und da man in einem „Hotel d´Tables“ nicht á la Carte essen kann, sind wir schon sehr gespannt, was es zum Abendessen gibt.
links: um zum “La Charmeraie” zu kommen, muss man durch den unscheinbaren Torbogen durch!
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Pünktlich und hungrig finden wir uns im Gastraum, der eigentlich eher ein Wohnzimmer ist, ein. Als Aperitif gibt es zunächst mal einen Pflaumen-Likör, auf den kurz darauf eine beachtliche Vorspeisenplatte folgt. Als Hauptgang folgt eine Ente, die so zart gegart ist, dass das Fleisch von den Knochen fällt; dazu Bratkartoffeln und Bohnen. Obwohl wir uns jetzt schon kaum noch rühren können, folgt als nächster Gang die in Frankreich obligatorische Käseplatte. Als krönenden Abschluss gibt es noch eine Kalorienbombe – Vanille- und Nuss-Eis mit Maronencreme. Ich glaube das meint der Volksmund, wenn er von einem „Leben wie Gott in Frankreich“ spricht!
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 im sehr gemütlichen Gastraum des „La Charmeraie“ fühlen wir uns “wie Gott in Frankreich”!
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Nach einem Verdauungsspaziergang durch den inzwischen dunklen Ort, fallen wir todmüde ins Bett. Bevor wir einschlafen geht uns noch die Frage durch den Kopf, was uns die Übernachtung heute kosten wird. Wir haben nämlich weder den freundlichen Jungen Mann in der Touristeninformation noch unsere Wirtin danach gefragt. Aber allzu viele Sorgen machen wir uns deswegen nicht und schlafen entsprechend gut.
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