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Leider ändert sich der Charakter der Stecke ab Utne schlagartig. Die Straße ist breit ausgebaut und für unseren Geschmack viel zu gerade. Zwar gibt es immer noch Kirsch- und Apfelplantagen, aber hier ist alles etwas weitläufiger und nicht so anheimelnd. Wenn dann am Ende des Sørfjorden Odda in Sicht kommt, die die Idylle komplett dahin. Lange bevor man in den eigentlichen Ort kommt, wird die Aussicht schon durch hohe Schornsteine und hässliche Industrieanlagen geprägt. Mag sein, dass der erste Eindruck täuscht und auch Odda dem Touristen etwas zu bieten hat. Wir haben dieser Industriestadt aber keine zweite Chance gegeben und sind direkt auf die S13 abgebogen, die uns, entlang des Ostufers des Sørfjorden, wieder nach gen Norden bringen sollte.
Leider ist auch von dieser Straße nicht viel schönes zu berichten. Direkt nach Odda wird an der Strecke heftig gebaut, wobei die ganzen schönen Kurven entlang des Fjords durch Tunnel abgekürzt werden. Zudem herrscht auf dieser Fjordseite wesentlich mehr Verkehr als auf der S550. Okay, hie und da eröffnen sich auch von dieser Straße aus schöne Blicke auf die Landschaft, aber alles in allem waren Jutta und ich von dem Abstecher heftig enttäuscht. Sollten wir noch mal in dieser Gegend unterwegs sein, werden wir die Fähre Utne – Kinsarvik nehmen und uns den Abstecher nach Odda schenken.
Zwischen Kinsarvik und Eidjford ist die S13 / S7 zwar teilweise recht anspruchsvoll und durchaus schön, der relativ dichte Verkehr lässt aber keinen rechten Genuss aufkommen. Um diesem wenigstens zeitweilig zu entgehen, bogen wir in Eidfjord links ins Simadalen ab, an dessen Ende wir eigentlich den Skykkedalsfossen besuchen wollen. Weil für diese Sehenswürdigkeit keinerlei Beschilderung zu finden war, landeten wir zunächst mal auf dem Parkplatz vor dem größten Wasserkraftwerk Norwegens. Etwas später sahen wir den Abzweig nach Kjeåsen, einem hoch über dem Fjord gelegenen Hof, der über eine sehr steile und schmale Straße, die nur wechselweise im Einbahnstraßenverkehr befahren werden darf, zu erreichen ist.
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„Badeplatz“ am Simadalsfjorden
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Kurze Zeit später standen wir am Ende der Straße auf einem Parkplatz, von dem aus ohne jede Ausschilderung ein Trampelpfad weitergeht. Wie wir erst später erfuhren, hätten wir von diesem Parkplatz aus den Wasserfall innerhalb einer Viertelstunde per Pedes erreicht. Wir hätten sogar direkt bis hinfahren können, wenn wir kurz vor dem Parkplatz links in den Schotterweg eingebogen wären. Aber nach dem missratenen Odda-Abstecher waren wir irgendwie noch ziemlich genervt und hatten eigentlich keine Lust auf weitere Experimente. Aus dem Grunde fuhren wir zurück an den Fjord und legten an einem herrlich ruhigen Plätzchen eine lange, geruhsame Mittagspause ein.
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Ein paar der Serpentinen der Hjølmostraße
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Ausgeruht und gestärkt waren wir auch wieder bereit für Abenteuer, weshalb wir die S7, der wir von Eidfjord Richtung Osten folgten, am östlichen Ende des Eidfjord- vatnet wieder verließen und rechts ins Hjølmodalen abbogen. Das schmale Sträßchen führt zunächst zirka vier Kilometer leicht bergan, bevor plötzlich ein Schild alle Wohnmobilfahrer vor der Weiterfahrt warnt.
Wie wir später feststellten, lassen sich einige Leute trotzdem nicht davon abhalten, die sehr steilen und engen Spitzkehren auch mit Fahrzeugen, die größer als ein VW-Bus sind, zu befahren. Und das, obwohl praktisch keine Ausweichstellen vorhanden sind. Für Motorräder stellt die Strecke dagegen kein wirkliches Problem dar, obwohl der Untergrund teilweise sehr locker und an manchen Stellen waschbrettartig ausgewaschen ist. Lohnenswert ist der zirka acht Kilometer lange Abstecher nicht nur wegen der herrlichen Aussichten auf den Vedalsfossen, sondern auch weil er mitten im Nationalpark Hardangervidda endet. Von hier aus lassen sich tolle Wanderungen über dieses typische Hochgebirgsplateau unternehmen, aber dazu waren wir natürlich nicht angezogen und ausgerüstet. Zudem läuft uns schon wieder einmal die Zeit davon, weswegen wir nach nur kurzem Päuschen um- und zur S7 zurückkehrten.
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Der Vøringsfossen vom Hotel Fossli aus
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Leider ist die alte S7 durchs Mabødalen hinauf zum Vøringsfossen Fußgängern, Radfahrern und einem Ausflugsbähnchen vorbehalten. Die neue S7 ist für unseren Geschmack mal wieder viel zu gut ausgebaut und verläuft vor allem zu lange in Tunneln. Erst im oberen Mabødalen, wo sich die Straße in mehreren Kehren den Berg hinaufschlängelt, kommt wieder etwas Fahrspaß auf.
Den östlichen Abschluss dem Mabødalen bildet der Vøringsfossen. Wie wir leider feststellen mussten, kann man den ersten Hinweis auf diese Sehenswürdigkeit, der sich direkt an der S7 befindet, getrost vergessen. Von dieser Seite aus kommt man nirgends vernünftig an den Wasserfall heran, sondern kann nur dessen beeindruckende Geräuschkulisse bewundern. Um das Naturschauspiel auch zu sehen, muss man zirka einen Kilometer weiter bis zum Hotel Fossli fahren (das Parken ist für Motorradfahrer kostenlos). Von dessen Terrasse aus hat man einen herrlichen Blick auf den Vossen und auch hinunter ins Mabødalen.
Bei einem Blick auf die Uhr stellten wir fest, dass wir uns wieder mal total mit der Zeit verkalkuliert hatten. So legten wir die 70 Kilometer über die Hardangervidda auf der S7 bis Geilo ziemlich flott zurück.
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Blick über die Vidda zum Hardangerjølen
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Trotzdem waren wir immer wieder von dieser beeindruckenden Gebirgslandschaft fasziniert und hielten mehrfach an, um die Ausblicke zu genießen und ein paar Fotos zu machen. Diese können allerdings kaum die Faszination einfangen, die einem diese unwirtlichen Hochebene mit ihren Seen, Mooren, Schneefeldern und Gipfeln abringt. Verstärkt wird der Eindruck durch das ständig wechselnde Licht, das die Sonne durch die schnell dahinziehenden, lockeren Wolken auf diese Kulisse werfen.
Geilo ist eine größere Gemeinde an der Bahnstrecke zwischen Oslo und Bergen, die vor allem vom Wintersport und Tourismus lebt. So ist unser Hotel, das Bardøla Høysfjellshotell, nur eines unter vielen – allerdings eines von den besten vor Ort. Und obwohl es von außen wieder eines wäre, das wir normalerweise schon wegen seiner Größe links liegen gelassen hätten, ist es im Inneren sehr nett und stilvoll eingerichtet. Zum Hotel gehört auch noch ein „Hyttegrenda“, in dem einige wirklich erstklassig ausgestatteten Ferienhäuser zwischen den Hütten eines alten Bauernhofes stehen.
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Vorratshütte beim Hotel Bardøla (um 22 Uhr ohne Zusatzbeleuchtung aufgenommen!)
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Vor einer der Luxushütten stand eine Honda ST1100, die ein pfälzisches, und damit für uns heimatliches, Kennzeichen trug. Das führte dazu, dass wir abends kurz nach 22 Uhr mit Dolores und Bernhard ins Gespräch kamen. Die beiden hatten die 17tägige Hüttentour bei StenaLine gebucht und waren auch schon an der letzten Station ihrer Reise angelangt. Ansonsten hätten wir sicher noch eine der sechs Flaschen Wein genießen können, die Bernhard im Topcase seiner Pan European mit nach Norwegen gebracht hatte. Aber auch ohne den alkoholischen Rebensaft unterhielten wir uns angeregt bis um ein Uhr nachts.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch ist, dass die an und für sich preiswertere Hüttentour (17 Tage für zwei Personen 1564 Euro) dadurch, dass man für alle Mahlzeiten selbst sorgen und bezahlen muss, am Ende wohl teurer kommt, als die Hotelrundreise inklusive Halbpension. Neben den relativ hohen Kosten bedeutet es vor allem, dass man sich vor Ort jeweils erst einmal mit Lebensmitteln eindecken muss, was vor allem recht zeitaufwendig ist. Und kochen muss man (oder meist wohl Frau) dann auch noch. Natürlich kann man alternativ dazu auch Essen gehen, was dann aber erst recht ins Geld geht. Ein Beispiel dafür sollten Jutta und ich am nächsten Tag in Oslo erleben, wo StenaLine keine Halbpension für uns gebucht hatte.
Geilo – Oslo (20.07.2002)
Obwohl es schon fast schon wieder hell wurde, als wir uns von unseren neuen Bekannten trennten, starteten wir unseren Tag wie immer recht pünktlich. Zwar hatten wir bis Oslo nur etwas mehr als 250 Kilometer vor uns, aber schließlich wollten wir in der norwegischen Hauptstadt nicht nur übernachten sondern auch etwas von ihr sehen.
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Der Vøringsfossen vom Hotel Fossli aus
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So folgten wir der S7 Richtung Nordosten nach Hagafoss und weiter nach Gol. In Torpo besuchten wir die dortige Stabkirche, ohne zu wissen, dass es die letzte sein würde, die wir während dieses Urlaubs zu Gesicht bekommen würden. Schließlich wollten wir noch die Stabkirche in Gol besuchen, die nicht nur eine der ältesten sondern auch eine der schönsten überhaupt sein soll. Hier haben es aber die Norweger aus meiner Sicht mit der Kommerzialisierung wesentlich zu weit getrieben. Die Kirche ist weiträumig eingezäunt und man kommt nur gegen einen Obolus von 60 NOK (8,51 Euro) pro Person überhaupt an das Gotteshaus heran. Der Zugang erfolgt noch dazu über einen mit den typischen Touristensouvenirs angefüllten Kiosk. Das hat uns so abgestoßen, dass wir von einem Besuch dieser Kirche abgesehen haben.
Von Gol aus wollten wir eigentlich der S7 Richtung Süden folgen. Da aber das Stück von Hagafoss bis Gol zwar landschaftlich schön, fahrerisch aber extrem einschläfernd war, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer Änderung der Route und bogen auf die S51 Richtung Leira ab. Nachdem sich die Straße zunächst über mehrere Serpentinen auf die Hochebene hinaufgeschraubt hat, verläuft sie kurvenreich durch die schöne Landschaft des Golsfjellet, so dass die knapp 40 Kilometer bis zum Erreichen der E16 viel zu schnell vergingen. Der E16 folgten wir nur wenige Kilometer und bogen dann auf die S33 ab, die uns vorbei an Dokka bis nach Svingvoll führte, wo wir auf die S34 wechselten. Diese brachte uns entlang des Randsfjorden bis nach Jaren. Hier erreichten wir die S4, die uns direkt nach Oslo brachte.
Aus welchem Grund die etwas muffig aus ihrem Mauthäuschen schauende Dame von uns kein Geld für die Einfahrt nach Oslo wollte, ist uns wegen mangelnder Sprachkenntnisse verborgen geblieben. Allerdings hatten wir nicht allzu lange Zeit, uns darüber zu wundern, schließlich mussten wir unser Hotel finden, was sich als ziemlich schwer herausstellte. Erst nach einer Ehrenrunde über den zweiten und dritten Ring und unter freundlicher Mithilfe eines Fahrlehrers, den wir nach dem Weg fragten, erreichten wird das Rica Halsfyr Hotel. Leider stellte es sich als ein direkt an der E6 gelegener Betonklotz heraus. Auch das an und für sich recht hübsche Zimmer konnte uns nicht über die bescheidene Lage dieser Bussinesherberge hinwegtrösten.
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Die Nationalversammlung (Stortinget) in Oslo
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Zwei große Fähren im Hafen von Oslo
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Segelschiffe vor der Festungsanlage in Oslo
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Zum Glück war wenigstens die U-Bahnanbindung einigermaßen passabel, so dass wir nach zehn Geh- und 15 Fahrminuten für 22 NOK (3,12 Euro) pro Person mitten in der Fußgängerzone landeten. Hier zeigte sich Oslo von seiner multikulturellen Seite. An jeder Straßenecke wurde Musik gemacht, wobei wir von südamerikanischen Indioklängen bis zum Rap so ziemlich alles zu hören bekamen. Dazwischen tummelten sich Pantomimen, Jongleure, Portraitmaler und sonstige Künstler. Alles zusammen ein buntes, lautes aber sehr anregendes Gemisch. Dagegen ist der Platz vor dem Parlamentsgebäude, trotz der vielen Leute, die hier den Rasen belagern und sich vom Treiben in der Fußgängerzone erholen, schon fast ein Paradies der Ruhe.
Die vielen Restaurants in der Innenstadt lockten schon zum Abendessen, aber Jutta wollte unbedingt vorher noch zum Hafen spazieren. Obwohl ich von der Idee eigentlich nicht so begeistert war, ließ ich mich breitschlagen und muss sagen, hätte ich mich durchgesetzt, hätten wir etwas verpasst. Und zwar nicht nur die großen Fährschiffe, die sich durch die Enge Hafeneinfahrt quetschen müssen, sondern auch die herrliche alte Festungsanlage direkt am Hafen. Und natürlich auch das bunte Treiben, das auch hier überall herrscht. So entschlossen wir uns, nachdem wir die Promenade mehrfach hin und her gelaufen waren, direkt hier am Hafen zu Abend zu Essen und dabei das Ambiente und die Livemusik zu genießen. Dabei war es gar nicht so einfach, einen freien Platz zu ergattern. Schließlich fanden wir etwas in einer Pizzeria und bestellten Spaghetti mit Krabben, Penne mit Meeresfrüchten sowie jeweils ein Gläschen weißen Hauswein. Das Essen war sehr gut und reichlich, allerdings war der Wein mehr als sparsam eingeschenkt.
Selbstverständlich überraschte uns die Höhe der Rechnung nicht, aber erwähnenswert ist sie durchaus. Für dieses, sicher nicht allzu exklusive Abendessen, haben wir 418 NOK (knapp 60 Euro) bezahlt. Sicher könnte man jetzt argumentieren, dass man für den Hafenblick und den Hauptstadtflair etwas mehr hat berappen müssen als irgendwo im Inland, aber das täuscht. Wir hatten überall, wo wir derer habhaft werden konnten, die Speisekarten studiert und konnten in Oslo feststellen, dass kein großer Unterschied zwischen Provinz und Weltstadt zu verzeichnen ist.
Aber selbst von solchen Preisen ließen wir uns den Abend und schon gar nicht den Urlaub vergrämen. Vielmehr spazierten wir wieder zurück in die Innenstadt, drehten noch eine Runde durch die Fußgängerzone und hörten bzw. sahen uns noch die eine oder andere Darbietung an. Mit ziemlich platt gelatschten Füßen stiegen wir dann wieder in die Unterwelt hinab und fuhren mit der U-Bahn zurück zu unserem Hotel. Und obwohl wir an der richtigen Station ausstiegen, hätten wir unsere Unterkunft fast nicht wieder gefunden. Die Ausgänge der U-Bahnstation sahen alle gleich aus und so dauerte der Rückweg von der Station zum Hotel mehr als 30 Minuten.
So richtig geärgert haben wir uns dann aber doch noch mal. Und zwar als wir feststellten, dass, wenn wir das Fenster unseres Zimmers offen hatten, eine Akustik herrschte als würden wir mitten auf dem Frankfurter Kreuz zelten. Das Rica Halsfyr Hotel war definitiv das schlechteste Hotel auf unserer ganzen Reise.
Oslo – Göteborg (21.07.2002)
Am nächsten Morgen war der Himmel grau und trist und es regnete. Zwar nicht aus Kübeln, aber auf jeden Fall heftig genug, um unseren Plan, auch bei der Rückfahrt wieder die E6 zu meiden, zu kippen. Also starteten wir, nach unserem letzten, ausgiebigen norwegischen Frühstücksbuffet, auf der E6 Richtung Süden.
Erstaunt hat uns dabei, dass schon kurz nach Oslo die Europastraße häufig wieder „nur“ drei-, teilweise sogar zweispurig ist. Da können wir uns schon vorstellen, dass bei starkem Verkehr an den Stellen, wo zwei Richtungsfahrbahnen zu einer zusammengeführt werden, Staus auftreten. Was wir für absolut unmöglich hielten war, dass die hier überall aufgestellten Schilder „Vorsicht Elche“ ihre Berechtigung haben. Hier, mitten zwischen menschlichen Siedlungen, Industriegebieten und landwirtschaftlich genutzten Flächen hätten wir auf keinen Fall mehr einen Elch vermutet und haben deswegen gefrotzelt, dass die „Elch“-Schilder sicher nur wegen der Touristen aufgestellt werden.
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Zwei Elche, direkt an der E6
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Auf einem dreispurigen Teilstück, kurz vor der schwedischen Grenze veranlasste mich Juttas lauter Ruf „DA STEHT EINER!!!“ eine Vollbremsung hinzulegen. Natürlich hatte ich bei dem Ausspruch an einen Polizisten oder ein Hindernis auf der Straße gedacht, doch weit gefehlt. Jutta hatte links der Schnellstraße einen Elch im Feld stehen sehen. Bis ich auf der dreispurigen E6 umgedreht, angehalten und die Kamera ausgepackt hatte, war sogar noch ein zweiter dazugekommen. Und so kamen wir, fast am Ende unserer Reise, doch noch zu „unseren“ Elchen.
Kurz vor unserer Elchbegegnung hatte es auch wieder aufgehört zu regnen und die Straße war abgetrocknet. Damit war der Grund dafür, die E6 zu fahren, weggefallen und so verließen wir sie bei Tanumshede, um an die „Schwedische Riviera“ zu fahren. Bei der so genannten Gegend handelt es sich um die Schärenlandschaft zwischen der norwegischen Grenze und Göteborg. Zunächst folgten wir der S163 durch Grebbestad nach Fjällbacka, beides sehr hübsche, beschauliche Orte, die aber durch den doch recht heftig florierenden Tourismus stark geprägt sind. Wassersport in jeder Art und Ausprägung wird hier betrieben, und zwar so intensiv, dass man bei dem regen Treiben auf dem Wasser unwillkürlich an den Straßenverkehr in einer Großstadt erinnert wird.
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Fjellbacka im schwedischen Schärengebiet
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Die Fähre in Hamburgsund.
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Am deutlichsten wird das in der kleinen Ortschaft Hamburgsund, wo der rege Sportbootverkehr jedesmal dann zum Stillstand kommt, wenn die Fähre ihre nur wenige hundert Meter lange Reise zu einer vorgelagerten Insel antritt.
Kurz nach Hamburgsund bogen wir rechts auf die S174 ab und „umfuhren“ die Halbinsel Sotenäs, wobei wir bei der Ortschaft Hunnebostrand eine ausgiebige Mittagspause einlegten und uns ein wenig in der Sonne aalten.
Danach folgten wir der S162 bis zu dem Städtchen Lysekil, dem man weder seine 15000 Anwohner noch seinen Status als Hafen- und Raffineriestadt ansieht. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt ging es mit der kostenlosen aber absolut überfüllten Fähre nach Bokenäs. Von hier aus folgten wir der S160, bis sie bei Jörlanda auf die E6 trifft. Diese brachte uns dann recht flott nach Göteborg und an den StenaLine-Pier, wo unsere Fähre schon wartete.
Die Fährüberfahrt Göteborg – Kiel (21.07.2002)
Nachdem wir die RT sicher verstaut und wieder mit Stricken gesichert hatten, bezogen wir unsere Kabine. Auch diesmal hatten wir eine recht geräumige Außenkabine, allerdings ein Deck tiefer als bei der Hinfahrt.
Sehr ärgerlich war, dass wir uns bei der Rückfahrt mit unseren vorgebuchten und –gezahlten Karten für das Abendbuffet in der gleichen Reihe anstellen mussten wie diejenigen, die erst direkt an Bord gezahlt haben. Okay, 20 Minuten Wartezeit bringt einen nicht um – aber wenn ich eh warten muss, brauche ich auch nicht im Voraus zu buchen / bezahlen. Unserer Meinung nach lag das aber an dem diensthabenden Oberkellner, der alles andere als eine gute Organisation seines Restaurants auf die Beine gestellt hat.
Da über Norddeutschland und der Ostsee ein ziemlich heftiges Tiefdruckgebiet lag, verlief die Fahrt nicht ganz so ruhig wie die Hinfahrt. Zum Glück blieben wir aber von der Seekrankheit verschont. Um nicht wieder in den Frühstücksstau zu geraten, standen wir etwas früher auf und packten unsere Sachen erst nach dem Buffet. Pünktlich um 09:00 Uhr legten wir in Kiel an und wurden von heftigen Regenschauern und böigem Wind empfangen.
Rückreise nach Ellerbach (22.-24.07.2002)
Trotzdem blieben wir unserem Vorsatz treu, auf der Heimreise keine Autobahn zu benutzen. Statt dessen ging es über die B76 bis Lübeck, wo wir mit der Fähre nach Priwall übersetzten. Kaum in Mecklenburg-Vorpommern angekommen, gerieten wir in ein heftiges Gewitter und mussten uns unterstellen, da weiterfahren einfach zu gefährlich gewesen wäre.
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Der Marktplatz von Wernigerode
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Zu diesem Zeitpunkt wären wir fast der Versuchung erlegen, auf kürzestem Wege zur A7 und dann Richtung Süden zu fahren. Aber nach einem Anruf bei unserem ersten Zielhotel und der Auskunft, dass dort schönes Wetter herrschen würde, bissen wir die Zähne zusammen. Nach Überquerung der Elbe wurde es auch zusehends besser und als wir gegen fünf Uhr in Wernigerode am Rande des Harz ankamen, schien tatsächlich die Sonne durch nur dünne Schleierwolken. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und einem opulenten Abendessen in der, zu unserem Hotel „Schlossberg“ gehörenden, „Fürstengrotte“ sind wir der Meinung „das war Spitze“ und sind sicher, dass wir demnächst mal wiederkommen.
Weiter ging es am nächsten Tag zunächst durch den Harz und dann durch den Thüringer Wald. Dabei stellte sich zwar heraus, dass es auch in Deutschland herrliche Sträßchen gibt, dass hier aber sehr viel mehr Verkehr herrscht als in Norwegen. So wurden uns die etwas mehr als 400 Kilometer dieser Tagesetappe sehr lang und wir waren froh, als wir endlich in Bad Elster im Vogtland angekommen waren. Aber wenigstens waren wir den ganzen Tag trocken geblieben.
Von Bad Elster aus sollte es am nächsten Tag eigentlich noch durch den Bayrischen Wald Richtung Süden gehen, aber da hatte Petrus wohl etwas dagegen. So führte die letzte Etappe unserer Heimreise auf kürzestem autobahnfreiem Weg zunächst auf der B299 bis Beilngries. Von hier aus ging es dann durchs Altmühltal bis zur B2 und dann über Donauwörth nach Ellerbach.
Fazit
Wenn uns heute jemand fragen würde, ob wir die von uns unternommene Norwegenreise empfehlen können, bekäme er die Radio Eriwan-Antwort von uns „im Prinzip ja“ - und zusätzlich ein paar erklärende Erläuterungen.
1. Anreise
Nicht nur nach Rom führen viele Wege, sondern auch nach Norwegen. Wir fanden die Anreise über Kiel – Göteborg eigentlich deswegen sehr gut, weil man nach der nächtlichen Überfahrt am frühen Morgen ausgeruht in Schweden ankommt und innerhalb einer weiteren Tagesetappe in Norwegen ist. Wir würden diese Strecke jederzeit wieder nehmen, es sei denn, die Tour sollte sich auf das westnorwegische Fjordgebiet beschränken. In dem Fall wäre für uns Hirtshals (Norddänemark) – Kristiansand die Verbindung der Wahl.
2. Unterkünfte
Wenn man von Zimmergröße und Sauberkeit ausgeht, waren wir mit unseren Hotels eigentlich sehr zufrieden. Allerdings handelte es sich doch um ziemlich unpersönliche Herbergen für den Massentourismus. Nette Bed & Breakfast-Unterkünfte mit Familienanschluss wären uns sicher lieber gewesen, aber die gibt es (zumindest in der Dichte wie in England / Schottland / Irland) in Norwegen offensichtlich nicht.
Die Unterkunft in Hütten ist sicher sehr stilvoll, dafür muss man dann aber für die Verpflegung selber sorgen. Und das kostet nicht nur viel Zeit (die man sinnvoller verbringen kann), sondern, selbst wenn man in „billigen“ Supermärkten einkauft, auch eine Menge Geld. Ganz zu schweigen von Restaurantbesuchen, die wirklich heftige Löcher ins Urlaubsbudget reißen!
Aus finanzieller Sicht, also wegen der überschaubaren Kosten, würden wir die von uns gebuchte StenaLine- Hotelrundreise uneingeschränkt weiterempfehlen. Die Hüttenrundreise von der gleichen Firma würden wir (und wir können da wirklich nur für uns sprechen) dagegen nicht empfehlen. Eventuell könnte aber eine individuell geplante Reise mit einer Hütte als zentralem Stützpunkt durchaus auch preislich attraktiv sein.
3. Straßen(-verkehr)
Die Klassifizierung von norwegischen Straßen ist aus unserer Sicht mit Vorsicht zu genießen. Europastraßen mit dem Charakter deutscher Bundesstraßen sind absolut normal und mit Nationalstraßen mit Naturbelag ist zu rechnen. Trotzdem würden wir den Zustand der Straßen im allgemeinen als sehr gut bezeichnen. Sicher gibt es Strecken, für die man eine geländegängige Maschine braucht. Aber die „Straßen“ die wir gefahren sind, sind mit jedem Tourenmotorrad zu bewältigen!
Wir sind nach einer Norwegenreise sicher keine Experten für dieses skandinavische Land, trotzdem halten wir die Ausführung in vielen Reiseführern, dass im Juli als Hauptreisezeit mit „Massen von Touristen“ zu rechnen ist, für stark übertrieben. Das Verkehrsaufkommen war, aus mitteleuropäischer Sicht gesehen, auf den meisten von uns befahrenen Stecken weit unterdurchschnittlich. Nur in Bergen und Oslo fühlten wir uns an deutsche Verhältnisse erinnert. Was uns besonders gefallen hat war die gegenseitige Rücksichtnahme, die wir fast überall im Straßenverkehr beobachten konnten.
Trotz fast 3800 Kilometern in Schweden und Norwegen haben wir übrigens nicht eine einzige Geschwindigkeitskontrolle, und nur eine allgemeine Verkehrskontrolle (bei der wir nicht behelligt wurden), gesehen. Dennoch habe ich mich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, an die Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten und mich, wahrscheinlich wegen des Straßenzustandes, trotzdem nie als zu langsam unterwegs gefühlt.
4. Sehenswürdigkeiten
Ein nicht zu übersehendes Loch in die Reisekasse reißen die teilweise sehr hohen Eintrittspreise, die für die kirchlichen, historischen und musealen Sehenswürdigkeiten zu entrichten sind. Hätten wir alle Stabkirchen besucht, die „so am Weg rumstanden“, hätten wir weit über 100 Euro nur für diese Eintrittsgelder bezahlt. Selbstverständlich sehen wir ein, dass die Kirchen für viel Geld restauriert werden müssen, das gilt aber z.B. auch für deutsche oder etwa italienische Gotteshäuser. Und für deren Besuch muss häufig nichts, aber auf keinen Fall so viel berappen. Da uns (und auch hier spreche ich nur für Jutta und mich) das irgendwie an Raubrittertum erinnerte, haben wir diese Beutelschneiderei boykottiert und am Ende die Kirchen nur noch von außen bewundert.
Viel sehenswerter, und in der Regel kostenfrei, sind unserer Meinung nach sowieso die Naturschauspiele, die Norwegen seinem Besucher liefert. Schon aus dem Grunde sollte man einerseits genügend Zeit für die Tour mitbringen und andererseits nicht als Tiefflieger unterwegs sein. Zudem sollte man genügend Filmmaterial mit- (bzw. genügend Speicherplatz in der Digitalkamera) haben.
5. Kartenmaterial
Wir haben in der Planungsphase der Reise lange Kartenmaterial miteinander verglichen und sind am Ende beim „Veiatlas Norge“ (Straßenkarten im Maßstab 1:300 000) hängen geblieben. Das hat mehrere Gründe. Zum Ersten hat Jutta, die ja meine Navigatorin ist und die Karte auch während der Fahrt lesen muss, das Kartenbild sehr gut gefallen. Zweitens haben die Seiten des Atlas ungefähr DIN A4 Format (22,5 x 31,5 cm) und passen so perfekt in die von uns benutze, wasserdichte Kartentasche von Ortlieb.
Das System der Einzelblätter hat den Vorteil, dass man die Karte nicht umständlich und materialmordend knicken muss, um sie in die Tasche zu bringen. Nachteilig ist allerdings, dass man sehr schnell den Gesamtüberblick verliert. Deswegen haben wir zusätzlich die Norwegen-Karte des ADAC im Maßstab 1:750 000 mitgenommen.
Der Veiatlas Norge kostet beim Nordland-Versand übrigens 32,95 Euro, bei "Nordis" dagegen nur 25,90 Euro! Die ADAC-Karte ist für 7,50 € zu haben.
Links
Zu guter Letzt noch ein paar interessante Internet-Links zum Thema Norwegen.
Eine Bitte: tote Links bitte kurz per Email melden (Adresse im Impressum). Danke!
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