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Südfrankreich 2008
Massif Central

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Es ist kalt, saukalt! Und dass der Wind in Sturmstärke über die Berge des Massif Central pfeift, macht die Sache nicht besser. Aber der Frühstückskaffee will wieder raus und erzwingt so eine erste kurze Pause auf unserer Tour Richtung Westen.

Gestartet sind wir um kurz nach neun in La Grange, unserer Lieblingsunterkunft am Südrand des Vercors. Da war es auch nicht gerade warm, acht Grad vielleicht, aber wenigstens war es sonnig und der Wind hielt sich in Grenzen. Das bleibt auch auf unserem Weg durch das Rhone-Tal so, weshalb unsere Stimmung, trotz des relativ

Blick ins Bourges-Tal
Blick ins Bourges-Tal

dichten Verkehrs zwischen Loriol-s-Drôme und Privas, eigentlich recht gut ist.

Dem Verkehr sind wir entkommen, als wir am Col de l´Arénier rechts auf die D122 abgebogen sind. Dafür bläst auf der Strecke hinüber zum Col de la Fayolle der Wind aus Nordosten so heftig, dass ich insgeheim ans Umkehren denke und bei unserer kleinen Pause noch nicht einmal die Kamera aus dem Tankrucksack nehme. Bloß schnell weg hier.

Dabei ist die Rundumsicht von der Kammstraße, die Richtung Westen immer größere Höhe erreicht, eigentlich grandios. Das haben wir schon bei früheren Touren in diese Gegend festgestellt. Allerdings auch, dass die D122 zwischen dem Col del la Fayolle und dem Col des Quatre Vios in relativ schlechtem Zustand ist. Und dass der Belag gerade mit viel Bitumen und Splitt ausgebessert wird, macht die Sache nicht wirklich besser.

Zwanzig Kilometer weiter westlich, kurz vor der über 1300 Meter hoch gelegenen Ortschaft Lachamp Raphael, biegen wir links auf die D215 ins Bourges-Tal ab. Als wir kurz darauf in einer Spitzkehre mit herrlicher Aussicht über das Tal anhalten, wirft der Sturm fast das Motorrad um und treibt dunkle Wolken über den Himmel.

Nur zehn Kilometer weiter, aber eben auch gut 600 Meter tiefer, ist die Temperatur schon wesentlich erträglicher. Vom Wind ist hier unten im Tal, kurz vor der kleinen, idyllisch gelegenen Ortschaft Burzet, kaum mehr etwas zu spüren und so kann uns die Sonne, die durch die lockerer werdenden Wolken scheint, langsam aufwärmen.

die Ortschaft Burzet
die Ortschaft Burzet (hier gibt’s zusätzliche Bilder)

Richtig warm wird es uns dann auf dem kleinen Sträßchen, das uns von Burzet, vorbei am 1402 Meter hohen Suc du Pal, hinüber nach Saint Cirgues-en-Montagne bringt. An vielen Stellen kaum breit genug für ein Auto, schmiegt sich das in Auflösung befindliche Teerband in engen Kurven dicht an den Berg. Nur selten geben die dichten Laubwälder Blicke ins Tal frei, diese sind dann allerdings umso spektakulärer. Für die knapp 12 Kilometer bis zur D110 brauchen wir eine gute halbe Stunde.

Als wir, nach einer kurzen Mittagspause, die Tankstelle in Saint Cirgues-en-Montagne erreichen, haben wir richtig Glück. Die Zapfsäulen gehören zu einem Lebensmittelgeschäft, dessen Besitzerin gerade ihre Siesta beginnen wollte. Aber sie lässt sich erweichen und sperrt den Laden und die Zapfsäulen extra für uns nochmal auf. Dieser Service ist kostenlos, allerdings hat der Sprit selbst seinen Preis. 1,66 € für bleifreies Super! Aber das ist eben Marktwirtschaft, „Angebot und Nachfrage regeln den Preis”.

sehr teures Benzin  Kloster Mazan
in abgelegenen Ortschaften hat Benzin seinen Preis!                Vom Kloster Mazan ist nur recht wenig übrig

Barrage de Naussac
unspektakulär: der Naussac-Stausee

Von Saint Cirgues-en-Montagne geht es nach Lanarce, allerdings nicht auf dem direkten Weg über die D288 sondern über die D239 vorbei an der Ruine des Kloster Mazan. Obwohl das alte Gemäuer schon seit 1847 als „Moument historique” gilt, wurde nicht allzu viel für seinen Erhalt getan, so dass heute nur noch Mauerreste zu bewundern sind.

Wenig später treffen wir am 1266 Meter hohen Col de la Chavade auf die N102, die wir aber schon nach vier Kilometern wieder verlassen. Uns sind die kleinen Nebensträßchen einfach lieber und so folgen wir der D108 hinunter nach Langone bzw. zum Barrage de Naussac. Der zur Stromerzeugung genutzte Stausee ist genau so unspektakulär wie die Straße, der wir an seinem Nordufer entlang Richtung Westen folgen.

Unser Bikerherz schlägt erst wieder höher, als wir auf die D988 einbiegen und einem der kleinen Zuflüsse des Allier  folgen. Die Straße windet sich in unzähligen Kurven durch das enge, idyllische Tal und macht, dank ihres griffigen Asphalts und des sehr geringen Verkehrsaufkommens, richtig Spaß.

Obwohl wir ab Chapeauroux dem Lauf des Allier auf der D31 bzw. D40 folgen, bekommen wir den Fluss nur selten zu Gesicht. Die Straße verläuft relativ hoch am Berg und häufig im dichten Wald, so dass Blicke ins Tal nur selten möglich sind. Erst kurz vor der kleinen Ortschaft Alleyras findet sich ein schöner Aussichtspunkt.

links: schmal und kurvig, so lieben es Motorradfahrer!

schmal und kurvig, so lieben es Motorradfahrer!

Blick ins Tal der Allier  die Ortschaft Alleyras
Einer der seltenen Einblicke ins Tal des Allier bietet der Aussichtspunkt kurz vor der Ortschaft Alleyras

D40 - teilweise abenteuerliche Streckenführung

links: die Streckenführung der D40 entlang des Allier ist an manchen Stellen fast schon abenteuerlich

Zwischen Saint Didier-d´Allier und Saint Privat-d´Allier wird die Streckenführung der an sich schon recht schmalen D40 nochmal richtig abenteuerlich und wir sind froh, dass wir praktisch alleine unterwegs sind.

Da sich der Fluss bei Monistrol-d'Allier nach Norden wendet, wir aber weiter nach Westen wollen, verlassen wir hier den Allier. Über die gut ausgebaute und flott zu fahrende D589 geht es zunächst in das auf einer fruchtbaren Hochebene gelegene Städtchen Saugues. Auf einem Parkplatz kurz vor der Stadt entdecken wir die überlebensgroße Skulptur eines Wolfs.

Beim Blick über die Stadt und die Landschaft können wir uns gut vorstellen, dass sich hier in früheren Jahrhunderten während der kalten Wintermonate Mensch und Wolf ziemlich nahe gekommen sind. Bei dem Gedanken fröstelt es uns, allerdings nicht wegen der Wölfe, sondern wegen der Kälte. Aus dem Grunde sehen wir auch von einer Besichtigung der sicher interessanten, mittel- alterlichen Bauwerke in Saugues ab und setzen uns stattdessen für ein viertel Stündchen zum Aufwärmen in ein kleines Cafe.

das Städtchen Saugues  ein übergroßer, hölzerner Wolf
Das Städtchen Saugues wird von einem überlebensgroßen, hölzernen Wolf bewacht

das Garabit-Viadukt
das Garabit-Viadukt (hier gibt’s zusätzliche Bilder)

Danach folgen wir zunächst der D589 und dann der D123 weiter Richtung Westen bis nach Ruynes-en-Margeride. Unser Ziel ist das Garabit-Viadukt, eine stählerne Eisenbahnbrücke, die das Tal der aufgestauten Truyère überspannt. Die von 1880 bis 1884 von Gustave Eiffel erbaute Brücke war mit ihren 122 Metern Höhe 25 Jahre lang die höchste Eisenbahnbrücke der Welt und ist auch heute noch ein imposantes Bauwerk. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die inzwischen fast 125 Jahre alte, aus mehr als 3000 Tonnen Stahl und 18000 Kubikmeter Mauerwerk bestehende, Konstruktion auch heute noch täglich von Zügen befahren wird.

Fast direkt unter dem Viadukt liegt das Hotel Garabit, das ich mir eigentlich für unsere erste Übernachtung ausgesucht hatte. Aber schon beim Fotostopp bekundet Jutta, dass ihr das Hotel nicht zusagt. Also folgen wir einem kleinen, kurvigen Sträßchen entlang der aufgestauten Truyère und genießen die Abendstimmung und die herrlichen Ausblicke auf den Stausee.

So idyllisch die Gegend ist, die Chance in der Nachsaison hier eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden, tendiert gegen null. Erst als wir gegen 18 Uhr Chaudes-Aigues erreichen, löst sich das Problem, hier gibt es direkt an der Hauptstraße gleich mehrere Hotels, so dass uns die Qual der Wahl bleibt. Nachdem wir uns das relativ moderne Hotel Beausèjour ausgesucht, die RT geparkt und uns geduscht haben, machen wir uns auf zur Stadtbesichtigung. Auf dem Marktplatz finden wir die Erklärung für die untypisch vielen Unterkünfte, die das an sich kleine Städtchen aufzuweisen hat: hier gibt es geothermische Quellen, deren Wasser mit 82° C direkt aus dem Fels quillt.

Blick über den Truyère-Stausee
abendliche Ausblicke über den Truyère-Stausee

der Marktplatz von Chaudes-Aigues  geothermische Quelle in Chaudes-Aigues
in Chaudes-Aigues fließt heißes Wasser nicht nur aus dem Brunnen, es wird auch seit langem zum Heizen der Häuser genutzt

nettes, fast ausgestorbenes Gässchen in Chaudes-Aigues

Die sind schon seit der Römerzeit bekannt und seit dem Mittelalter hat Chaudes-Aigues ein geothermisch gespeistes Fernwärmenetz. Das verleiht der Ortschaft natürlich zu einer gewissen touristische Anziehungskraft und prägt auch ein wenig das Stadtbild, das von relativ vielen Cafes, Restaurants und Hotels geprägt wird. Um diese Jahreszeit ist aber auch hier erfreulich wenig los und wir genießen den Spaziergang durch das gemütliche Städchen.

Als wir am Hôtel de la Mairie vorbei kommen, fällt uns auf, dass der Speisesaal ziemlich belebt ist. Da es sich bei den Gästen offensichtlich nicht um Touristen sondern um Einheimische handelt, nehmen wir das als Empfehlung und kehren hier zum Abendessen ein. Wie wir trotz unserer beschränkten Französischkenntnissen mitbekommen, handelt es sich bei den Gästen vorwiegend um Jäger, die ihr heutiges Jagdglück begießen und sich für den nächsten Tag verabreden. Trotz des Trubels im Lokal ist es gemütlich, das Essen ist gutbürgerlich, sehr schmackhaft, relativ günstig und somit aus unserer Sicht uneingeschränkt empfehlenswert.

Da der rote Hauswein nicht nur sehr süffig, sondern auch recht stark ist, wird der Abend nicht allzu lang und wir genießen recht bald die Wärme in unserem Hotelzimmer.

links: nette, aber fast ausgestorbene Gässchen in Chaudes-Aigues

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